WWF beteiligt sich an der umfassendsten Tigerzählung im Russischen Fernen Osten seit 1996
Heute geht im Russischen Fernen Osten eine umfassende Zählung der vom Aussterben bedrohten Amur-Tiger in ihre heiße Phase. Die Artenschützer des WWF hoffen, dass die Ergebnisse ihre Bemühungen zur Rettung der Tiger positiv bestätigen werden. Bei der letzten Bestandserfassung von 1995/96 wurde die Anzahl der Amur-Tiger auf rund 450 Tiere geschätzt. Frank Mörschel, der beim WWF Deutschland die Naturschutzprojekte im Russischen Fernen Osten koor- diniert, geht davon aus, dass die Bestände seither stabil geblieben sind: "Die Zählung wird hoffentlich zeigen, dass sich unsere jahrelangen Anstrengungen zum Schutz der Tiger gelohnt haben. Wenn die Anzahl der Tiere sogar gestiegen ist, wäre das ein riesiger Erfolg für den Umweltschutz im Russischen Fernen Osten."
Bereits seit Dezember sind mehr als 1.000 Feldforscher in dem zumeist schwer zugänglichen und kaum besiedelten Gelände in den russischen Provinzen Primorski und Khabarovski Krai unterwegs, um die Spuren der letzten Amur-Tiger im Schnee ausfindig zu machen. Ab heute werden sie in einem 5-Tages- marsch die Tiger-Routen auf einer Strecke von rund 10.000 Kilometer abgehen und jede einzelne Spur genau verzeichnen. Bis zuverlässige Ergebnisse vor- liegen, gehen nach Ansicht von Frank Mörschel noch einige Monate ins Land. Die Erhebung soll auch Aufschluss über die Bestände der Beutetiere des Tigers geben.
Der WWF unterstützt die Tigerzählung finanziell und ist an der Konzeption und Organisation maßgeblich beteiligt. Für den WWF koordiniert Pavel Fomenko das Projekt vor Ort. Er verdiente sich einst wie viele Männer in Sibirien seinen Lebensunterhalt als Jäger - bis er zum WWF kam. Seit mehreren Jahren findet er sein Auskommen als WWF-Koordinator der Anti-Wilderer-Brigaden in der Amurregion und ist damit zu einem der wichtigsten Tigerschützer der Welt geworden. Für sein Engagement wurde Fomenko 2000 von dem US-ameri- kanischen Time Magazine sogar zum "Helden des Planeten" gekürt.
Die Amur-Tiger waren um 1940 bereits so gut wie ausgestorben - nur schät- zungsweise 30 Tiere waren den Jägern entkommen. Dank der Bemühungen in der ehemaligen Sowjetunion sowie eines 1993 vom WWF Deutschland ins Leben gerufenen Schutzprojekts erholte sich der Bestand auf etwa 450 Tiere. Der Amur Tiger (Panthera tigris altaica) wird auch Sibirischer Tiger genannt und ist der größte Vertreter unter den Tigern. Die Männchen werden bis zu 300 Kilo- gramm schwer und messen von der Schwanzspitze bis zu den Schurrhaaren zum Teil mehr als drei Meter. Die Tiere sind vor allen Dingen wegen der Nach- frage nach Tigerknochen in der traditionellen asiatischen Medizin und wegen ihres Fells begehrt. Die Jagd auf sie ist seit 1947 verboten.